Tradition & Emotion – das Birkebeiner Rennen 2017

Für Petra stand am 18.03. das Saison Highlight vor der Tür. Der ausführliche Bericht dazu:
Da war er nun gekommen, der 15.03. - Abflugtag für das Brikebeiner Rennen 2017. So lang im Vorfeld hatten wir schon alles gebucht, die Vorfreude wuchs von Monat zu Monat und endlich endlich kam der Tag zum Check-in Richtung Norwegen.

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Ich machte mich mit meinem VIP Servicemann - Papa - auf den Weg. Logistisch zu zweit gar nicht ohne. Pro Person ein Skigepäck um die 20 kg und eine entsprechende Reisetasche müssen erstmal zum Terminal geschleppt werden. Umso reibnungsloser lief alles ab. In Oslo schnell den Mietwagen aufgegriffen und los ging's Richtung Rena, Startort des traditionsreichen Birkebeiner Rennens. Da wir schon am frühen Nachmittag ankamen, konnten wir sogar an dem Tag schon auf die Strecke schauen. Dem kryptischen englisch und der noch kryptischeren Wegbeschreibung des Hotelpersonals folgend fanden wir wenig später das Startgelände. Ein schönes Gefühl ... die ersten Kilometerschilder ... das Startgelände - wir waren angekommen und das Adrenalin begann zu steigen.

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Ab dem Zeitpunkt gab's die üblichen 2 Devisen ein paar Tage vor einem Skimarathon: Ski testen und so viele Kohlenhydrate wie möglich in den Körper zu bringen. Da die Strecke ein echtes Paradies für Klassikliebhaber ist, galt es auch das richtige Steigwachs zu finden. Die Bedingungen hätten schöner nicht sein können: ca. 1,5 - 2 Meter Schneedecke, eine Klassikspur wie aus dem Bilderbuch, Sonnenschein und die unendliche Weite der Norwegischen Fjelle vor einem. Immer zu schade, dass man die Tage vor dem Wettkampf mit den Kilometern haushalten muss. Aber das Rennfeeling entschädigt dafür.

Nach 3 guten Vorbereitungstagen hieß es am Vorabend des Rennens noch den Rucksack richtig zu packen. 3,5 kg schwer und mit ein paar vorgeschriebenen Utensilien gefüllt muss er sein und begleitet dich dann jeden einzelnen kleinen Hügel auf den 54 km nach Lillehammer. Neben winddichter Hose und Jacke sollte auch wärmende Skiunterwäsche, Mütze, Buff und Essen im Rucksack Platz finden. Um nicht mit einem Trekkingrucksack unterwegs zu sein, packte ich leichte und vor allem platzsparende Klamotten ein und füllte den Rest mit 2 kg Gewichten an.

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Am Renntag war dann um 4:45 Tagwache angesagt. Normalerweise eine unmenschliche Uhrzeit, an dem Tag hüpfte ich hellwach und sehr nervös aus dem Bett. Eine große Protion Haferbrei mit Marmelade sollte mich dann bis ins Ziel bringen. Am Startgelände angekommen war die übliche Hektik zu spüren - ein Gefühl, das Berge versetzt. Alle Leute glücklich, voll Vorfreude, gut gelaunt und doch etwas gestresst. In Reihe 2 der Eliteklasse zu starten ist ein Wahnsinnsgefühl. Meine Startnummer hatte ein eigenes Holzschildchen für den gesetzten Startplatz. Imens cool! Um 07:45 fiel der Startschuss und ein Wahnsinnsrennen nahm seinen lauf.

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Die Strecke ist selektiv. Vom Start bis km 12 sind 600 Höhenmeter zu überwinden. Da mein "Motor" normalerweise immer Anlaufzeit benötigt, war das die Todestrafe an Rennstrecken für mich. Bis Labstation 1 bei km 6 starb ich tausend Tode. Mein Papa stand mit einem Getränk da und gab die letzten guten Worte mit auf die Weiterreise. Die weitere Kilometer waren landschaftlich das mit Absatnd schönste Rennen, das ich je gelaufen bin. Quer durch den Nationalpark, ohne Straßen, ohne Häuser, nur Schnee, Sonne und Horizong soweit das Auge reichte.Momente für die Ewigkeit!

Das langlaufverrückte Norwegen war deutlich zu spüren. Entlang der Strecke und vor allem an den höchsten Punkten, also den Fjellüberquerungen standen unzählige Leute, die jeden Teilnehmer hinauftrieben. Der Geruch der Gaskocher, des Essens und vor allem die emotionalen Fans begleiten dich über jeden Hügel. Musikanlagen, Zelte und gute Laune - eine Stimmung die nur in Skandinavien zu finden ist.

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Mein Rennen verlief weiterhin sehr mühsam. Gedanken wie ... hätte doch ein paar merh Klassikkilometer sammeln sollen, oh Gott, was für ein bescheidener Tag heute und da oben muss der letzte Anstieg zu Ende sein, der es dann doch nicht wahr, begleiteten mich an diesem Tag über 54 km. Mit der letzten Kraft über den letzten Hügel in Sjusjoen geschoben ging's in eine extrem schnelle Abfahrt. Zahlreiche Stürze passierten rund um mich, ich kam aber Gott sei Dank super durch. Und da war es - das Ziel in Lillehammer. Fix und fertig und mit ein paar Tränchen in den Augen, da es doch ein großes Ziel und alles super geklappt hatte, schleppte ich mich zu meinem Papa - der mich mit den Worten empfing: also so kaputt hab ich dich auch noch nicht gesehen. Was natürlich nicht negativ gemeint war, aber den Tatsachen entsprach.

Nach einem gemütlich Nachmittag in Lillehammer, einem perfekten Rückflug überwiegen immer noch die Emotionen des so genialen Wochenendes. Allen Klassikern einfach nur zu empfehlen. Allen Langlaufliebhabern wärmstens ans Herz zu legen!

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